"Ohne Respekt vor Bäumen könnte ich diese Arbeit nicht tun"

Aus der Thüringer Allgemeine 09.12.2014

Lange Jahre arbeitete er als Transportleiter im Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb, dann brachen beruflich unsichere Zeiten an. Er machte sich selbstständig, nahm einen Kredit auf, schaffte Technik an, stellte Leute ein. Und ist mit seinem Baumdienst seit 19 Jahren fast jeden Tag in den Thüringer Wäldern unterwegs. Brandenburg hat auch die Schneise im Steiger geschlagen - im Auftrag der Thüringen Wasser GmbH, die hier eine Trinkwasserleitung verlegt. Dutzende Bäume fielen. "Die Leute schimpfen, kommentieren, fragen, manchmal wird es auch unsachlich", sagt er. "Aber meist akzeptieren die Passanten unsere Erklärungen." Für jeden sei es selbstverständlich, morgens den Wasserhahn aufzudrehen und das Nass sprudeln zu lassen. "Aber dafür braucht es intakte Leitungen." Der optimale Schneisenverlauf sei genau geplant worden.

Brandenburg bewirbt sich auf Ausschreibungen. Eine betraf zum Beispiel Bäume auf Uferböschungen oder Deichen an der Apfelstädt, die drohten, zur Gefahr zu werden. Mehrere Pappeln mussten im Marienthal gefällt werden. Eine knifflige Aufgabe, da sich direkt neben den Bäumen mit ihren riesigen Kronen Häuser und Gärten befanden. FrankBrandenburg kennt sich auch aus mit der Pflege von Obst- und anderen Gehölzen. "Wir sind keine Baumdoktoren. Wir können aber die Statik in gewissem Maß wieder herstellen, können Bäume gesund schneiden, ihnen helfen."

Einen Mammutbaum könnte er nicht absägen

Er schult Leute an der Motorsäge, bietet Lehrgänge an. Das Gros seiner Arbeit aber macht die normale Holzernte aus, der Holzeinschlag für Kommunen oder private Waldbesitzer. Einschlag, Rückung, Vermarktung.

Meist rammen sie einen Stock oder Besenstiel in die Erde - als Ziel. Und sind stolz, wenn alles passgenau klappt. Hat er bei seiner einschneidenden Arbeit Respekt vor Bäumen? "Unbedingt", sagt er. Vor dem Alter und den Geschichten, die die Bäume erzählen.

Anhand der Jahresringe kann er sie nachvollziehen. Etwa bei der Eiche im Kiliani-Park inGispersleben, die von Fäule und Pilzen befallen war und 2008 gefällt werden musste. Er konnte nachweisen, dass sie 1809 gepflanzt wurde, kurz nach dem Fürstenkongress, bei dem sich Napoleon und Zar Alexander in Erfurt trafen.

Die Ringe sind sein Hobby, er hat zahllose Baumscheiben von sehr alten Bäumen zu Hause. "Ich trockne sie langsam, es dauert bis zu halbem Jahr. Sie werden geschliffen, je sorgsamer, desto besser kann man die Jahresringe zählen." Er zählt von außen noch innen. Und macht daraus Geschenke, denn wichtige Ereignisse kann man auf den Scheiben markieren. Geburtstage, Jahrestage, zeithistorische Daten.

Unter den Bäumen mag er die Eiche am liebsten. "Ein ehrlicher, berechenbarer Baum, auch, wenn er fällt." Buchen könnten beim Fällen aufplatzen, hätten schon manche unliebsame Überraschung beschert.

Frank Brandenburg liebt seinen Beruf. "Ich denke oft: Wie würdest du ihn umlegen, wenn es soweit wäre?" Er geht ans Werk mit einer Mischung aus Handwerk und Erfahrung, Berechnung und Geschick. Und, wie gesagt, Respekt. "Es gibt aber Bäume, die könnte ich nicht anrühren", verrät er. Die Mammutbäume im Sequoia-Nationalpark in den USA. Elf Meter Stammdurchmesser. Über 2000 Jahre alt. "Da stehst du nur, schaust den Stamm hinauf und denkst: Helm ab zum Gebet."

Birgit Kummer 09.12.14 TA